Archive for the 'kantor' Category

Jerusalem

Wednesday, September 10th, 2008

Jetzt bin ich schon etwas weniger als eine Woche hier und die Eindrücke sind zahlreich. Das Essen, das Wetter, die Stadt, die Menschen, die Musik- in bedeutungsloser Reihenfolge- alles hinterlässt einen Eindruck und ist erstmal sehr interessant. hmm. Die Uni: ich bin der einzig männliche Kantorstudent unter 10 ehrgeizigen Kantorstudentinnen aus den USA. Allesamt Goldkehlchen. An so manchen Kursenstunden, an denen ich bereits teilgenommen habe war ich immens beeindruckt von den vokalen Fähigkeiten meiner Kolleginnen, und gleichzeitig auch überrascht über das geringe Wissen, was Judentum und Liturgie angeht. Immerhin habe ich dann was zum ausgleichen, wenn mich die minderwertigkeitskomplexe packen :-)

Ja, und Jerusalem ist heiß und schön und dank eines zweiten Kollegs-Repräsentanten (danke Jörg) konnte ich auch hier und da, einige neue Ecken der Stadt entdecken.

Im Stundenplan stehen Kurse wie “2nd Temple history”, “Reform Jews reading Sources”, “Liturgy”, “History of Jewish Music”, “Music Theory & Sight singing”, “Cantorial workshops” und privatstunden mit Dirigenten, Sängern und Musikern.

Ich bin zufrieden.

L.A. letzter Tag

Sunday, August 31st, 2008

Kaum habe ich angefangen die Gemeinde “Beth Chayim Chadashim” richtig kennezulernen, schon geht´s wieder zurück nach Berlin. Ich hatte eine wunderbare Zeit, habe viel gelernt, viele neue Eindrücke bekommen und den Ozean erneut lieben gelernt :-)

Die beiden Gottesdienste an denen ich teilgenommen habe, waren sehr unterschiedlich. Den ersten Abend teilte ich mit Rabbinerin Lisa Edwards und Rabbinerstundent Joe Hample. Es gab an diesem Abend gleich mehrere Feste zu feiern: 5 geschlossene Ehen und eine efolgreiche Babyadoption. Es wurde also viel Mazel Tov gesungen und viele Freudetränen wurden vergossen.

Der zweite Gottesdienst wurde mit Gitarre, Schlagzeug und Gesang verbracht. Hat mir gut gefallen. Sehr viel Wärme und Harmonie, die in der Synagoge zu empfinden war. Naja, vielleicht etwas viel amerikanische Sentimentalität für einen zynischen Europäer wie meinereiner, aber es hat auf jeden fall gewirkt und in manchen Momenten musste ich mich beherrschen, nicht loszuschluchzen.

Auch mein Workshop ist gut verlaufen- über die die Angstempfindung in der Liturgie der hohen Feiertage.

Meine Gastgeber waren sehr freundlich, die Gemeindemitglieder waren sehr freundlich, der Chor, Jeanelle, die Pianistin, die mich zu den hohen Feiertagen begleiten wird und mit mir täglich geprobt hat und alle die sich die Zeit genommen haben, mir die Stadt zu zeigen habe ich zu danken.

Thank you all for making these 3 weeks so wonderful for me :-)

Und jetzt erstmal zurück nach Berlin und dann nach Jerusalem!

L.A. Tag1

Tuesday, August 12th, 2008

Durch die ganzen Zwischenstopps, Flugverzögerungen und die Zeitverschiebung war´s für mich ein ein recht langer 11. August. Laut meinen Gastgeber war ich wohl 23 Stunden uterwegs und dementsprechend müde fühle ich mich jetzt. Auf unserem Nachhauseweg sind wir an BCC vorbeigefahren und- welch ein Zufall- just im selben Moment traf sich der Chor zur wöchentlichen Probe und ich konnte mir, trotz jetlag, eine Probe ansehen und die Chormitglieder kennenlernen. Mir gefallen die Aussichten hier sehr. Im Milky Way wurde ich noch schnell Steven Spielbergs Mutter vorgestellt- eine sehr nette Persönlichkeit und jetzt sitze ich in Studio City, (where the houses are pretty pretty), mache erste Verabredungen, schaue mir Fahrpläne an habe ein gutes Gefühl.

Die Chormitglieder beim Einsingen während einer Probe im Gemeindesaal von Beyt Chayim Chadashim

Die Chormitglieder beim Einsingen während einer Probe im Gemeindesaal von Beyt Chayim Chadashim

Unionstagung

Friday, July 18th, 2008

jetzt ist es schon eine woche her, seitdem die letzte unionstagung der progressiven juden in deutschland stattgefunden hat. ich bin noch gar nicht dazu gekommen mir fotos anzugucken, geschweige denn fotos hochzuladen… aber einen kleinen eindruck möchte ich hier doch loswerden. wir geiger-studenten waren ja für den gottesdienst zuständig. unter den deckbegriff “ort” wurde der gottesdienst in abschnitte aufgeteilt und einem oder mehreren studenten zur ausführung gegeben. die jeweiligen leitungen der abschnitte waren positiv unterschiedlich und sehr kreativ. ich glaube auch, daß es der gemeinde gefallen hat und freue mich sehr drüber. es hat spaß gemacht an der gestaltung des gottesdienstes mit zu wirken und neue und alte gesichter auf der tagung anzutreffen. ich freue mich aufs nächste jahr. anbei meine einleitung, die kritischerweise auch als drascha interpretiert wurde zum schma-gebet:

Im folgenden Gebetsabschnitt begegnen wir “Ort” in vielschichtigen Varianten.

Wir finde hier die Welt als Ort: unsere externe, materielle Welt, in der Licht und Dunkelheit sich in scheinbar vorprogrammiertem, regelmäßigen Abstand abwechseln und die interne, abstrakte, spirituelle Welt – eine Welt voller Emotionen, Herausforderungen und dem Wunsch nach einem
einheitlichen, einzigen Herzen, der nicht geteilt und zerstritten, sondern heil und mit voller Kraft einer Aufgabe gewidmet ist.

Das Land Israel taucht auf als Ort, der dem Volk Israel geschenkt wurde und auf dem sich Lohn und Strafe auswirken.

Beim Gedenken der Hilfe, die Gott für frühere Generationen war erinnern wir uns an A?gypten, das Schilfmeer, die Wüste – Orte in denen das Volk Israel in der Vergangenheit erlo?st wurde und wofür wir uns im hier und jetzt bedanken. An das Gedenken an einer vergangenen Erlösung an unterschiedlichen Orten schließt sich die Amida an, mit den Wunsch nach einer jetzigen Erlösung.

Und dann gibt es noch die Variante, die sich über jeglichen Raum und Zeitversta?ndnis stellt.
Unser Glaubensbekenntnis “Schma Israel” und der darauf folgende Abschnitt stellen sich jedoch über jegliches Zeit- und Raumverständniss.

Ja, bei Beschreibung des Gebots zum Lesen des Schma-Gebets erhalten wir relativ ausfu?hrliche Instruktionen über Ort und Zeit: Während des Schlafens und während des Aufstehens, Zu Hause und beim Beschreiten des Weges.

Doch was ist das für ein Weg den wir beschreiten? Ist es etwa der Weg zum Glauben? Ist es die Wirklichkeit auf dem Weg, sei es die historische, natürliche oder gedankliche- die den Menschen zur Schlußfolgerung verleiten soll, zu glauben?

Unser Glaubensbekenntnis signalisiert dazu ein klares „nein“!

Die Entscheidung zu glauben ist weder Ort, noch Zeitgebunden.

Sie basiert nicht auf einer individuellen Analyse von Informationen und Gegebenheiten, sondern ist viel mehr ein bewußter Eingriff im eigenen Wertesystem und die Aufnahme einer Pflicht.

Es gibt somit keinen konkreten „Weg“ zum Glauben. Gäbe es tatsa?chlich einen Weg zum
Glauben – ein Weg basierend auf Erfahrungen im Raum und Zeit – so wu?rde das Glaubensbekenntnis seine Wertigkeit verlieren und wäre dann hypothetisch- nicht kategorisch.

Somit ist das Glauben vielleicht die höchste Ausdrucksform einer freien Entscheidung, denn der Mensch kann glauben und er kann es sein lassen und keine Methodik kann seine Entscheidung lenken.

Nicht desto trotz habe ich bei Beschreibung dieser Variante nur den ersten Abschnitt vom Schma einbezogen. Der aufmerksame Beter wird gemerkt haben, daß sich beim zweiten Abschnitt des Schmagebets sehr wohl ein hypothetisches Glaubenbekenntnis als Option angeboten wird. Warum sollte man Gottes Gebote verfolgen? Damit das Land weiterhin fruchtbar bleibt! Wie lassen sich beide Ansätze, die scheinbar im krassen Gegensatz zueinander stehen, vereinbaren?

tja, obwohl es natürlich eine fülle an kommentaren zu dieser frage gibt, bin ich nicht darauf eingegangen. für´s erste, dachte ich mir, reicht es vielleicht aus die frage im raum stehen zu lassen und die gemeinde wissen zu lassen daß es auch für den beschriebenen gedanken eine alternative gibt…

LA LA Land

Thursday, June 19th, 2008

ok, ich glaub ich kann´s jetzt erzählen: die hohen feiertage werde ich in los-angeles bei bcc verbringen und ich bin jetzt schon very excited! es ist daß erste mal für in amerika und ich freue mich sehr über die gelegenheit drüben eine liberal gemeinde kennen zu lernen. die vorbereitung laufen jetzt schon recht intensiv und die nächte verbringe ich mit koordinationsgespräche und ideenaustausch mit dem vorstand der gemeinde. neben der gottesdienstleitung sind noch einzelne unterrichtssessions mit den gemeindemitgliedern vorgesehen. it´s really exciting. meine jetzige wohnung ist so gut wie leer und es ist aufbruchstimmung angesagt, denn nach l.a. kommen die 5 monate in israel. wer mir sightseeing- und insidertips über l.a. geben kann – her damit :-)

Veranstaltungshinweis

Wednesday, October 31st, 2007

Mein erster Gemeindegottesdienst, den ich kurz nach meiner Ankunft in Berlin erleben durfte, wurde von Kanor Isaac Sheffer geleitet und seitdem ist er für mich persönlich mein favorisierter Kantor in Berlin. Jetzt habe ich eine ganze Weile Zeilen mit Begründungen für meine Vorliebe für Kantor Sheffer geschrieben und verworfen, ist nicht allzu leicht eine genaue Begründung zu finden. Ich bleibe auf jeden Fall bei meiner Empfehlung für alle, die einen Eindruck von Kantor Sheffer bekommen wollen:

Isaac Sheffer

Konzert mit Kantor Isaac Sheffer und dem
Synagogalensemble Berlin am Sonntag, 4. November, 19.00 im Französischen Dom
am Gendarmenmarkt

Ich werde leider nicht dabei sein können, da ich in der kölner Gemeinde unterrichten werde, hoffe aber auf eine baldige Gelegenheit es nachzuholen.

Zum Schluss noch ein Zitat aus “Die Musik der Juden Osteuropas” von Francois Lilienfeld, welches sich mit der Frage über die Notwendigkeit des konzertanten Kantors auseinandersetzt:

Bald entwickelten sich Konflikte mit der geistlichen Autorität (obschon in vielen Fällen der Chasan mit dem Rabbiner identisch war): den Chasanim wurde oft vorgeworfen, mit ihrem Schöngesang lenkten sie von der Andacht ab; ein äusserst fragwürdiges Argument, kann doch eine schöne Interpretation der Gebete die Andacht eher anregen, die Ergriffenheit und – je nach Inhalt des Gebetes – die Gefühle der Trauer oder der Freude verstärken.

Vielleicht ist es diese “Anregung der Andacht”, die mich persönlich einen Gemeindegottesdienst als eine besondere Erfahrung erleben lässt.

Was macht eigentlich ein Kantor?

Wednesday, October 24th, 2007

Tja- verständlicherweise ist die Berufsbezeichnung “Kantor”-vor allem jüdischer Kantor- für manche etwas völlig unkonkretes. Ich werde versuchen anhand von einzelnen Beiträgen diesen Beruf aus meiner Sicht der Leserschaft etwas näher zu bringen.

Der Kantor wird von der (jüdischen) Gemeinde beauftragt den Gottesdienst zu leiten. In den letzten 200 Jahren stieg der Beruf des Kantors zur Kunstform auf und so bildeten sich Kantoren, die mit ihrer Stimme und Ausdruckskraft den Gottesdienst zu einer emotionalen Erfahrung machen.

Die jüdische Liturgie an sich ist erstreckt sich über mehrere Genres und lässt sich nicht auf ein Typ “jüdischer” Musik festlegen.

Sich mit den einzelnen Strömungen (Sehr grob unterteilt in sephardische und aschkenasische Liturgie) hier zu beschäftigen würde ein wenig den Rahmen sprengen, wer sich jedoch dafür interessiert dem sei z.B. die Seite von Jascha Nemtsov zu empfehlen.

Während meiner Ausbildung komme ich in Berührung mit den unterschiedlichen musikalischen Richtungen: die festkomponierten Melodien aus dem aufgeklärten Westen Europas und die überlieferten Motiven, den sogenannten “Nussach” aus Osteuropa, und neue zeitgenössische Kompositionen aus den Staaten.

Um einen Eindruck von den unterschiedlichen Erscheinungsbildern von Kanoren und Kantorinnen zu bekommen, ist ein Besuch in eins der vielen Synagogen in Berlin empfehlenswert.

Bisher hatte ich die Ehre in Erfurt, Hannover, Mönchengladbach, Berlin, Aachen, Wuppertal und Köln Erfahrungen in Leitung der Gottesdienste in jüdischen Gemeinden zu sammeln

Wenn es die Muse erlaubt, werde ich in Zukunft auch davon berichten.

Eine gute Restwoche noch

Juval