Abschlusskonzertbericht und Ordination
Von Juval am 17.June 2009 um 01:21 | Kategorien: Allgemein.war fantastisch! ich zumindest habe mich gut gefühlt und mich sehr über die anwesenheit meiner familie und freunde gefreut. die vielen proben mit chor und gesangslehrer haben sich gelohnt und alles machte plötzlich sinn. ich bin sehr dankbar für diese gelgenheit, die mir gegeben wurde.

anbei Auszüge aus dem programmheft des abschlusskonzerts:
Nehmet den Juden seinen Sabbath, und ihr habt ihn der reichsten, unschätzbaren Perle beraubt.
- S.R. Hirsch (1808-1888)
Der Freitagabendgottesdienst, auch Kabbalat Schabbat genannt, als ein wöchentlich wiederkehrendes Ritual im jüdischen Jahreszyklus, bietet nach meiner bisherigen Erfahrung in orthodoxen und in Reformgemeinden in Deutschland für viele Betende eine Möglichkeit, sich nach sechs Werktagen wieder „ordnen“ zu können, Gleichgesinnte zu treffen, zu reflektieren und sich seelisch zu stimulieren. Am Freitagabend wird die Synagoge zum Ort, an dem alte Erinnerungen an die Oberfläche gebracht und neue Erinnerungen geschaffen werden.
Doch was ist es, was die Betenden berührt? Wie wurde der Freitagabendgottesdienst im Laufe der Zeit verstanden und welche Rolle spielte dabei die Musik?
Basierend auf diese Fragen entstand das Thema meiner Abschlussarbeit. Aufgeteilt in Jahrhunderte habe ich versucht, auf die jeweiligen Fragen eine Antwort zu finden. Diese geben dabei auch einen Einblick in das allgemeine Wesen des Judentums, denn oft wurden gerade am Freitagabendgottesdienst dessen Grundsätze, wie sie in der jeweiligen Epoche und in den jeweiligen Umständen interpretiert wurden, thematisiert. Der Freitagabendgottesdienst war demnach ständig einer „Neuerfindung“ unterworfen: Angefangen als ein Brauch der Kabbalisten aus Zfat im 16. Jahrhundert, wurde Kabbalat Schabat im Laufe der Jahre auch als Ausdruck der Emanzipation der Juden in der Gesellschaft aufgefasst, als ein romantisiertes Ereignis, an dem das Ende der Woche und der Beginn des Ruhetages mit sich selbst und der Familie zelebriert wird, als eine gemeinschaftsbildende Maßnahme und als eine Möglichkeit, sich für junge und alte Kantoren mit ihrer Gesangskunst zu behaupten.
Im letzten Entwicklungsstadium vor Beginn des zweiten Weltkrieges wurden auf ca. 150 Schallplatten die musikalische Liturgie der Reformgemeinde mit prominenten Künstlern aufgenommen. Bei den meisten Werken handelt es sich um in sich geschlossene Kompositionen, die versuchen, die mündlich überlieferten traditionellen Weisen mit zeitgenössischen musikalischen Entwicklungen zu verbinden. Die Responsen der Gemeindemitglieder werden dabei oft von einem Chor übernommen. Die Aufnahmen wurden in mehreren Synagogen in deutschen Städten vorgespielt – in manchen sogar während des Gottesdienstes – mit dem Ziel , die Musik im Gottesdienst der Gemeinde so nah wie möglich zu bringen und eine Uniformierung herzustellen.
Betritt man heute an einem Freitagabend eine der vielen neuen Reformgemeinden in Deutschland , hört man traditionelle jüdische Gesangsweisen aus Osteuropa, festgeschriebene Partituren für Chöre und Solisten aus Deutschland und Österreich und zeitgenössische Kompositionen aus den Vereinigten Staaten. Es ist ein Mosaik der unterschiedlichen Musikstile, wie es nach dem Holocaust in Deutschland nochmal neu erstellt werden musste. Nachdem vor dem zweiten Weltkrieg in Deutschland der Versuch stattgefunden hat, den Gottesdienst zu vereinheitlichen, ist er nun erneut dabei, sich musikalisch und liturgisch zu finden. Es bleibt abzuwarten, ob zukünftig wie zu Vorkriegszeiten neue Kompositionen aus dem deutschsprachigen Raum kommen werden. Der prägende und gemeinschaftsbildende Freitagabendgottesdienst besitzt jedoch weiterhin seine Anziehungskraft und wird hoffentlich auch in Zukunft Juden weltweit zusammenbringen und inspirieren.
Die für das Konzert ausgewählten Stücke sind nach dem Aufbau eines „klassischen“ Freitagabendgottesdienstes geordnet. Ich hoffe, sie geben zumindest einen kleinen Einblick auf die immense Vielfalt der Musik, die für Kabbalat Schabbat im deutschsprachigem Raum geschrieben wurde.
Es sei hier mein Dank an alle ausgesprochen, die mich in den vergangen Jahren auf meinem Ausbildungsweg begleitet und unterstützt haben: Freunde, Lehrer und Familie von denen ich lernen durfte und durch die ich als Mensch und Kantor gewachsen bin.
Danke auch an alle die dazu beigetragen haben, daß dieser für mich besondere Tag gelingt.
Besonderen Dank möchte ich Herrn Prof. Dr. Eliyahu Schleifer aussprechen, der mich bei meiner Abschlussarbeit betreut hat und Frau Mimi Sheffer für die Begleitung, Unterstützung und Inspiration, die ich in den letzten 4.5 Jahren durch sie erfahren durfte. Ich freue mich auf meine zukünftigen Herausforderungen und wünsche allen neuen Kantorstudenten am Jewish Institute of Cantorial Arts alles Gute.
war heute noch auf den proben für die ordination am donnerstag, die so gar nicht bescheiden ist, wie ich zunächst dachte. ca. 500 gäste werden in der rykestraße erwartet, eine harfistin kommt aus genf eingeflogen und ein blasquartett hat sich auch angekündigt. die musik ist ziemlich beeindruckend und ich freue mich sehr drauf. für alle, die es noch schaffen wollen, hier noch die daten:
Ordination
Gottesdienst und Zeremonie
Am 18.10. um 10:00 Uhr, Synagoge Rykestraße 53, 10405 Berlin
