Verantstaltungshinweis
Von Juval am 10.January 2008 um 17:10 | Kategorien: Empfehlung, Konzerte.Folgende Meldung lag heute in meinem Postfach und klingt vielversprechend!
16. Januar, Mittwoch, 20.00 Uhr
Literaturhaus Berlin
Fasanenstraße 24
Großer SaalDer renommierte Musikwissenschaftler Albrecht Dümling, der sich seit vielen Jahren insbesondere mit „musica reanimata“ der Erinnerung an von den Nationalsozialisten verfolgte Musiker widmet, stellt zusammen mit Winfried Radeke (Komponist und multitalentierter Gründer der Neuköllner Oper) Chemjo Vinaver vor; dabei werden nicht nur seltene Schellackplattenaufnahmen mit dem Chor der Berliner Neuen Synagoge erklingen, sondern Mimi Sheffer, die als Kantorin wie als Opernsängerin ihre Zuhörer bannt, wird einige Gesänge aus Vinavers Anthologie vortragen; Jutta Rosenkranz (Kuratorin der Ausstellung) zeichnet Spuren der Beziehung von Mascha Kaléko und Chemjo Vinaver nach.
Chemjo Vinaver
Nur wenige Wochen vor den November-Pogromen 1938 war Mascha Kaléko mit ihrem zweiten Ehemann Chemjo Vinaver (1895-1973) und dem gemeinsamen Sohn die Ausreise nach den USA geglückt. Kaum in New York angekommen, gründete der Komponist und Musikethnologe Vinaver mit 30 deutschen und österreichischen Refugees sowie mit amerikanischen Sängern den „Vinaver-Chor“ – den ersten professionellen a capella-Chor in den USA, der sich jüdischer Musik widmete. Bereits 1933 hatte Vinaver, der einer angesehenen Rabbinerfamilie entstammte und in Warschau geboren wurde, mit 30 von deutschen Opernbühnen entlassenen jüdischen Sängern einen Chor in Berlin zusammengestellt und trotz zunehmender Repressionen erfolgreich auch auf Tourneen durch Europa und Palästina geleitet. Gar nicht zu überschätzen ist die Bedeutung von Vinavers Anthologie chassidischer Musik, deren erster Teil 1955 erschien und Arnold Schönbergs letzte Komposition enthält. Obwohl Mascha Kaléko zeitweise unter dieser Beanspruchung litt, unterstützte sie Vinaver als Managerin und Dolmetscherin seines amerikanischen Chores und setzte sich nachdrücklich für das von ihr hoch geachtete Wirken ihres Mannes ein. 1959 übersiedelten sie gemeinsam nach Israel, wo Vinaver für den zweiten Teil seiner Anthologie recherchierte, der erst 1986 aus dem Nachlaß herausgegeben werden konnte; ein Archiv an der Universität Jerusalem trägt heute Vinavers Namen.
Zusammen mit der Jüdischen Volkshochschule Berlin.
