Wochenabschnitt Wayetze

Von Juval am 18.November 2007 um 12:47 | Kategorien: studium, wochenabschnitt.

Ein Tag später als versprochen, aber lieber zu spät als gar nicht.
Hier ein paar Worte zum Wochenabschnitt ???? wayetze (Wer sich fragt worum es hier eigentlich geht, hier klicken):

Yaakovs Figur als Erzvater unterscheidet sich von seinen „Amtskollegen“ in mehrfacher Hinsicht. Zunächst einmal ist Yaakovs Biographie die ausführlichste. Auch die Beziehung zwischen Gott und Yaakov unterscheidet sich von Gottes Beziehung zu den restlichen Erzvätern- und Müttern, inklusive Rachel.

Hanatziv (Rabbiner Zwi Yehuda Berlin ,1817-1893) behauptet sogar, daß Gottes Beziehung zu Yaakov am meisten der Beziehung Gottes zum Volk Israel ähnelt.

In unserem Wochenabschnitt ist es interessant zu beobachten welche unterschiedliche Gott-Mensch-Beziehungen beim Zusammenkommen von Yaakov und Rachel zueinander finden und welchen Einfluß es auf die kommenden Generationen hat.

Doch zunächst zu unserer Parascha:

zuzüglich der Fortsetzung von Yaakovs Biographie, erfahren wir auch einiges von den Unterhaltungen, welche die Erzväter- und Mütter untereinander führen. Viele dieser Gespräche sind recht verstörend.

Ein Beispiel dazu sei Yaakovs Aussage zu Lawan:

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Frei übersetzt heißt es so viel wie:
„Gib mir meine Frau, denn meine Tage sind bald durch, und ich werde sie besteigen.“

Raschi selbst schreibt: ???? ?? ?????? ???? ???? ??
„und sogar der einfachste der einfachen spricht nicht in so einer (vulgären) Sprache.“

Wir fragen uns auch wie es dazu kommen kann, daß Rachel bereit ist für eine seltsame Pflanze (??????), die Leas Sohn Reuwen gesammelt hat, Yaakovs Bettkante an Lea zu überreichen. Rachel gibt quasi ihren Mann für eine Pflanze auf. Bei einer einfachen Person wäre solch ein “Deal” in unseren Augen ein seltsamer Akt – umsomehr wenn wir es bei den Erzfiguren mitbekommen.

Eine weitere seltsame Szene: Rachel fordert von Yaakov, ihr Söhne zu besorgen. Yaakov wird wütend und sagt: Bin ich doch nicht Gott, der dir deines Leibes Frucht nicht geben will.

Anhand der geschilderten Liebesgefühle von Yakov zu Rachel hätten wir vielleicht eine andere Reaktion erwartet. Vielleicht etwas mehr Harmonie und weniger Aggressionen.

Warum betet Yaakov nicht für Rachel? Und warum wird er zornig?

Es gilt in all den Beispielen, eine unterschwellige Botschaft zu erkennen. Ich gehe hier auf die letztere Szene ein:

Yaakov liebt Rachel und will auch für sie beten. Indem er Rachel jedoch klar macht, daß er die falsche Adresse ist um Rachel fruchtbar zu machen, sagt er ihr, daß es letztendlich an ihr liegt Gott um etwas zu bitten und daß sie sich in dieser Hinsicht auf sich verlassen und vertrauen muß und nicht auf die Gebete anderer und Rachel versteht zum Schluß daß kein Mensch und keine Pflanze die Erlösung bringen, sondern allein die Kraft des Gebets an Gott.

Daß der Mensch auch aktiv an seinem Schicksal arbeiten muß und sich nicht immer alleine auf die Kraft des Gebets verlassen kann/soll – das zeigt Yaakov. Gottes Intervention in Yaakows Leben ist im Gegensatz zu seinen Urvätern minimal.

Auf Abrahams Wanderschafften ist Gott fast ständig präsent. Er mischt sich ein, offenbart sich und hilft zu fast jeder Gelegenheit (und bei den ganzen Prüfungen und Wanderungen bieten sich wahrhaftig viele Gelegenheiten an- Rettung von Lot, das verjagen von Hagar, die Opferung von Yitzchak, etc.).

Yitzchaks Biographie verläuft vergleichsweise friedlich und es scheint als würde Gott hinter den Kulissen agieren. Yitzchak wander nicht, er hat keinen Konkurrenten, gegen den er sich beweisen muß, sein Vater kümmert sich um die Verkupplungsangelegenheiten und überhaupt scheint bei Yitzchak alles recht mühelos zu funktionieren, als würde er von den Errungenschaften seines Vaters profitieren. Erst im hohen Alter erlebt Yitzchak eine schlechte Erfahrung, als ihn sein Sohn betrügt.

Gott offenbart sich bei bei Yaakov innerhalb von großen Zeitabständen fünf mal. In jeder Offenbarung werden Versprechen gehalten, doch einen tatsächlichen Akt der Rettung, so wie ein Einmischen in Yaakovs Leben finden wir nicht.

Die erste Offenbarung findet in Beyt El statt, als Yaakov auf der Flucht vor Esaw ist. Yaakov ist nach dem Midrasch 63 Jahre alt. 35 Jahre später meldet sich Gott wieder und gebietet Yaakov wieder zurückzukehren zum Land seiner Vorväter. Die Flucht selber wird von Yakov geplant und ausgeführt. Gott taucht nicht auf.

Zwischen den beiden ersten Offenbarungen läßt sich Yaakov von Lavan mißbrauchen und ausnutzen. Gott taucht nicht auf.

Yaakov muß sich alleine mit seinem Schicksal auseinandersetzen. Gott segnet ihn und unterstützt ihn, doch er mischt sich nicht aktiv ein. Yaakovs Mißerfolge hat Yaakov selber zu verantworten (s. z.B. Yossef, oder Dina).

Yaakovs Erfolge (Flucht vor Lavan) sind Yaakov alleine zu verdanken.

Mit der Paarung von Yakov und Rachel kommt zwei Haltungen zu einander, die sich nur oberflächlich widersprechen. Die eine:

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Wir können uns nur auf unseren Vater im Himmel verlassen

in Gegenüberstellung zu:

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Wenn ich nicht für mich da bin, wer dann?

Vielleicht ist gerade die Mischung dieser beiden Haltungen etwas, was so charakteristisch ist, in der Beziehung des Volkes Israels zu Gott im laufe der Geschichte. Eine Geschichte die, ähnlich wie Yaakovs, gefüllt ist mit tragischen Ereignissen, Flucht, Exodus und dramatischen Auseinandersetzungen. Doch so wie Gott es Yakov vermittelt, so muß sich auch das Volk Israel mit seinen Problemen erstmal selber auseinandersetzen, Lösungen initiieren und Verantwortung für seine Taten übernehmen. Gott hilft dem Volk dabei doch überläßt er dem Volk die Auseinandersetzung.

Das alleinige Vertrauen auf Gott ist keine Andeutung auf ein passives vor sich Hinleben, sonder ganz im Gegenteil: es setzt ein verantwortungsvolles Verhalten regelrecht voraus.

Einen Hinweis dazu finden wir im Bund zwischen Gott und Yaakov (1BM, 28, 14-15):

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???? ???? ???, ??????? ??? ??? ???

… und du sollst vordringen gegen Westen und Osten, Norden und Süden, und durch dich und deine Nachkommen sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden. Und siehe, ich bin mit dir und will dich behüten … Denn ich will dich nicht verlassen

Das Vordringen (das Handeln, das sich Kümmern) liegt bei Yaakov. Wenn Yaakov sich auseinadersetzt und sich hilft, so wird Gott ihn nicht verlassen.

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