Geburtswehen eines neuen Studiengangs

Von Juval am 22.November 2007 um 00:36 | Kategorien: Allgemein, studium.

Abraham Geiger Kolleg errichtet das “Jewish Institute of Cantorial Arts”…Die erste europäische Einrichtung zur Ausbildung von Kantorinnen und Kantoren wird im Herbst 2008 seine Tore öffnen. Das Abraham Geiger Kolleg an der Universität Potsdam will damit den eklatanten Mangel an qualifizierter Gemeindeleitung beheben helfen. Künftig wird ein Kantorenausbildungsprogramm dazu beitragen, mehr jüdischen Gemeinden schnellere Unterstützung gewähren zu können. “In diesem Jahr nehmen wir erfreuliche sieben Kandidaten aus aller Welt ins Rabbinerprogramm auf. Trotzdem sind die daraus ableitbaren Absolventenzahlen keineswegs ausreichend, um dem riesigen Mangel zu entsprechen. Mit Kantoren, die auch pädagogische Aufgaben wahrnehmen können, wird eine Lücke für den hauptamtlichen Gemeindedienst geschlossen, auf die uns Gemeindevorstände immer wieder hingewiesen haben”, sagt Rabbiner Prof. Walter Homolka, Rektor des Abraham Geiger Kollegs.Möglich wird dies durch die Partnerschaft mit der amerikanischen Breslauer Foundation, die $ 300.000.- zur Errichtung des Kantorenseminars beigetragen hat. Die Bundesregierung ist gebeten worden, den jährlichen Betrieb ab 2008 zu bezuschussen.

Die Allgemeine Rabbinerkonferenz Deutschlands hat das Konzept in ihrer Sitzung vom 27.6.07 in Braunschweig positiv bewertet und ihre Mithilfe und Mitverantwortung zugesagt.

Das “Jewish Institute of Cantorial Arts” wird europaweit die einzige Ausbildungsstätte für jüdische Kantoren sein. Die Ausbildung soll vier Jahre umfassen und mit einem B.A. der Universität Potsdam abschließen. Das Hebrew Union College – Institute of Jewish Religion (Jerusalem) wird mit seiner School of Sacred Music ebenfalls beteiligt sein. Die Studenten werden das erste Jahr in Jerusalem absolvieren. Der Kooperationsvertrag wurde am 26. April 2007 geschlossen.

Präsident Rabbiner Walter Jacob: “Die finanzielle Hilfe durch eine amerikanische jüdische Stiftung ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Dieser Vertrauensbeweis zeigt, dass die bisherigen Investitionen der privaten Spender, des Zentralrats und auch der öffentlichen Hand in das Abraham Geiger Kolleg sehr sinnvoll gewesen sind, nicht zuletzt für das Ansehen Deutschlands in der Welt.”

Vielleicht (aber auch nur vielleicht) fragt sich der/die eine oder andere, wie es denn sein kann, daß es bereits einen Kantorstudenten am Kolleg gibt, obwohl der Studiengang noch gar nicht offiziell begonnen hat.

Mir wird diese Frage in letzter Zeit relativ oft gestellt.

So ungefähr lautet die Antwort:
Was den Kantorstudiengang angeht, fungiere ich als eine Art “Prototyp”. Als ich vor zwei Jahren am Abraham-Geiger-Kolleg bezüglich einer Kantorausbildung angefragt habe, gab es außer einer großen Bibliothek voller Noten mit synagogaler Musik nicht allzu viel. Es war jedoch der Beginn der Studienganggestaltung an der sich abwechselnd Lehr- und Studierkräfte eingebracht haben.

Zuzüglich der Angebote für die Rabbinatsstudenten kamen Kurse in Musikthorie, Gehörbildung, Rhytmik, Gesang, Nussach (Gebetsritus), jüdische Musikgeschichte und Teamim. Neu in diesem Semester sind Besuche einzelner Kurse an der Universität Potstdam im Fach Musikpädagogik, wie z.B. “Blattlesen” und “Tonsatz”.

Als “Prototyp” zu fungieren hat den Vorteil an der Studienganggestaltung bis zum gewissen Grad mitbestimmen zu können. Dennoch – wie wahrscheinlich auch früher bei Gründung der Rabbinerausbildung – bleibt man von den “Geburtswehen” des neuen Studiengangs nicht verschont – Ungewissheit, Chaos und leise Zweifel sind also Teil des Ganzen (und da hilft es auch nicht wenn man als “Pionier” bezeichnet wird).

Man darf gespannt sein, welches Gesicht der Studiengang, an dem gegenwärtig fleißig geflickt, gebaut und geschustert wird etwa Winter 2008, wo die ersten “offiziellen” Studenten eintrudeln werden, oder Winter 2009, wo vorraussichtlich meine Ausbildung am Kolleg beendet sein wird, bekommen wird. Es ist auf jeden Fall eine Arbeit im Prozess…

Ein Kommentar zu “Geburtswehen eines neuen Studiengangs”

  1. kleine schwester « 5767 sagt:

    [...] die kantorenausbildung auf uns rabbinerstudenten hat, kann ich nicht sagen. aber da mit juval ja schon ein kantor ausgebildet wird und ich durch ihn die vorzüge einer musikalischen [...]

Sag mal was: